Nothing, der Smartphone-Hersteller, treibt die Vision einer KI-gestützten Software voran, die sich an Benutzer anpasst und nicht umgekehrt. Mit ihrem „Essential Apps Builder“ kann jeder benutzerdefinierte Widgets mithilfe von Klartext-Eingabeaufforderungen erstellen. Die Idee ist überzeugend – aber die aktuelle Umsetzung fühlt sich eher wie ein Proof-of-Concept denn wie ein zuverlässiges Werkzeug an.
Die Vision: KI-native Personalisierung
Letztes Jahr stellte Nothing ein „KI-natives Betriebssystem“ vor, das Geräte tiefgreifend personalisieren soll. Obwohl es sich nicht um ein vollständiges Betriebssystem handelt, zielt die KI-Schicht des Unternehmens, „Essential“, darauf ab, dieses Erlebnis durch kleine, KI-gestaltete Widgets zu bieten, die im Playground-App-Store verfügbar sind. Diese Widgets werden mit dem Apps Builder erstellt – beschreiben Sie, was Sie wollen, und die KI generiert es. Es sind keine Programmierkenntnisse erforderlich, aber es schadet nicht.
Das System ist iterativ: Der Builder stellt klärende Fragen und Sie können die Ergebnisse verfeinern, anstatt von vorne zu beginnen. Dies erleichtert einfache Aufgaben: Ein Wasser-Tracking-Widget mit einem Smiley als Belohnung für die Flüssigkeitszufuhr oder eine mit dem Kalender verknüpfte Terminanzeige funktionierten beide beim ersten Versuch reibungslos. Sogar das Anpassen eines Stimmungs-Widgets mit Emoji-Updates war unkompliziert.
Wo es zu kurz kommt: Funktionalität und Zuverlässigkeit
Der Ehrgeiz offenbart jedoch die Grenzen. Der Versuch, komplexe Funktionen in Widget-große Räume zu packen, scheitert schnell. Auf einer Einkaufsliste wurde nur ein Artikel angezeigt und der Text wurde oft mitten im Satz abgeschnitten. Die Standortdaten erwiesen sich als unzuverlässig und zeigten mehrere Vorhersagen anstelle der aktuellen des Benutzers an.
Noch wichtiger ist, dass einige Apps einfach nicht funktionieren. Ein Pomodoro-Timer stoppte, sobald das Telefon gesperrt wurde, wodurch es unbrauchbar wurde, und ein Foto-Widget versagte vollständig. Selbst der KI-gestützte „Reparatur“-Button konnte diese Probleme nicht lösen. Das Problem ist nicht das Konzept, sondern die Lücke zwischen „es funktioniert“ und „das würde ich tatsächlich nutzen“.
Einschränkungen und Zukunftspläne
Derzeit ist der Apps Builder auf Nothing Phone (3) beschränkt und unterstützt nur zwei Widget-Größen. Verbindungen sind auf Standort, Kontakte und Kalender beschränkt. Aber Nothing plant, die Funktionalität bis Ende März um Internetdaten, Medienzugriff, Bluetooth-Verbindungen und zusätzliche Widget-Größen (einschließlich 1×2- und 4×4-Layouts) zu erweitern. Eine breitere Geräteunterstützung und eine öffentliche Einführung sind geplant, mit einem Ersteller-Ökosystem, in dem Benutzer die Apps anderer „remixen“ können.
Die größere Herausforderung: Benutzer-Know-how
Abgesehen von technischen Hürden dürfte der Benutzer das größte Hindernis sein. Auch bei einem KI-gestützten Tool ist es wichtig zu wissen, wonach man fragen muss. Das System funktioniert gut, wenn der Benutzer eine klare Vorstellung hat, aber vage Eingabeaufforderungen führen zu enttäuschenden Ergebnissen. Dies verdeutlicht ein umfassenderes Muster bei KI-Tools: Leistungsfähigkeit ist nur die halbe Miete; Benutzerfreundlichkeit erfordert Fachwissen.
Letztendlich ist der „Vibe-Coding“-Ansatz von Nothing ein mutiges Experiment. Sein Erfolg wird sowohl von der technischen Verfeinerung als auch von der Überbrückung der Lücke zwischen KI-Potenzial und Benutzerverständnis abhängen.





















