Die geopolitische Pattsituation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat einen kritischen Punkt erreicht. Während Präsident Donald Trump den Wunsch geäußert hat, ein neues Abkommen zur Einschränkung des iranischen Atomprogramms und zur Stabilisierung der Straße von Hormus zu erreichen, ist der Weg zur Diplomatie mit strukturellen und glaubwürdigen Hürden behaftet.
In einer aktuellen Diskussion auf Today, Explained lieferte Wendy Sherman – die ehemalige stellvertretende Außenministerin, die eine entscheidende Rolle bei der Aushandlung des Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) von 2015 spielte – eine Expertenanalyse darüber, warum aktuelle Bemühungen auf so heftigen Widerstand stoßen und was für die globale Stabilität auf dem Spiel steht.
Der grundlegende Zielkonflikt
Damit eine Verhandlung erfolgreich ist, müssen sich die Interessen beider Parteien überschneiden. Derzeit scheinen die Ziele Washingtons und Teherans grundsätzlich uneins zu sein:
- Die US-Agenda: Ziel der Trump-Regierung ist es, den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, den freien Ölfluss durch die Straße von Hormus sicherzustellen und die Finanzierung regionaler Stellvertreter wie der Hisbollah, der Hamas und der Houthis durch den Iran einzuschränken.
- Die iranische Agenda: Teheran versucht, seinen Einfluss auf die Straße von Hormus aufrechtzuerhalten, sein Recht auf Urananreicherung zu wahren und seine regionalen Verbündeten weiterhin bei der Machtausübung zu unterstützen.
Diese „Lücke“ wird durch die unterschiedliche Verhandlungserfahrung noch verschärft. Während das US-Team derzeit klein ist, besteht die iranische Delegation aus erfahrenen Diplomaten wie Außenminister Abbas Araghchi, der eine zentrale Figur in den Verhandlungen von 2015 war und über genaue Kenntnisse der Mechanismen des vorherigen Abkommens verfügt.
Lehren aus dem Atomabkommen von 2015
Sherman ging auf die häufige Kritik am ursprünglichen Abkommen aus der Obama-Ära ein, insbesondere auf das Argument, dass es zu kurzfristig sei.
„Die Kritiker sagen, dass der stärkste Teil des Deals nur 15 Jahre lief. Sie wollten, dass er für immer Bestand hat“, bemerkte Sherman.
Sie erklärte, dass der Deal mit einem „einjährigen Ausbruchszeitraum“ konzipiert sei. Dies gebe der internationalen Gemeinschaft ein Zeitfenster, um zu reagieren, falls festgestellt werde, dass Iran betrügt. Darüber hinaus betonte Sherman, dass die Alternative zu einer solchen Diplomatie – ein Regimewechsel durch militärische Gewalt anzustreben – katastrophale Risiken berge, darunter die Schließung der Straße von Hormus, einen Anstieg der globalen Gaspreise sowie enorme wirtschaftliche und menschliche Kosten.
Die Glaubwürdigkeitslücke in aktuellen Verhandlungen
Ein wesentliches Hindernis für ein neues Abkommen ist die wahrgenommene mangelnde Glaubwürdigkeit des aktuellen US-Verhandlungsteams. Sherman äußerte Skepsis hinsichtlich der Wirksamkeit von Persönlichkeiten wie Vizepräsident JD Vance, Steve Witkoff und Jared Kushner.
Das Kernproblem ist diplomatisches Vertrauen. Sherman wies darauf hin, dass iranische Beamte möglicherweise nicht bereit seien, mit Vertretern an den Verhandlungstisch zurückzukehren, die sie für inkonsistent halten, da frühere Verhandlungsversuche auf plötzliche Eskalationen und Angriffe stießen. Ohne etablierte diplomatische Beziehungen sinkt die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Einigung.
Die Kosten diplomatischer Instabilität
Die Folgen der aktuellen Sackgasse reichen weit über den Nahen Osten hinaus. Sherman argumentiert, dass das Scheitern früherer Abkommen zu mehreren strategischen Rückschlägen für die Vereinigten Staaten geführt habe:
- Wirtschaftliche Belastung: Die Instabilität trägt durch die Volatilität des Energiemarktes zu höheren Kosten für normale Amerikaner bei.
- Strategische Schwächung: Die USA haben ihre Waffenbestände aufgebraucht und langjährige Allianzen untergraben.
- Geopolitische Veränderungen: Die aktuelle Situation hat unbeabsichtigt die Positionen Russlands und Chinas gestärkt. Darüber hinaus hat die Lockerung bestimmter Sanktionen Regimen, die in Konflikte verwickelt sind, wie zum Beispiel Russlands Krieg in der Ukraine, dringend benötigte Einnahmen verschafft.
- Verbreitung von Atomwaffen: Je härter der Iran wird, desto größer wird der Druck, ein nukleares Abschreckungsmittel zu erwerben. Wenn es dem Iran gelingt, eine Waffe zu entwickeln, könnte dies ein atomares Wettrüsten unter anderen Regionalmächten und sogar engen Verbündeten der USA auslösen.
Schlussfolgerung
Der Kampf um Verhandlungen mit dem Iran ist nicht nur ein technischer Streit über die Anreicherungsniveaus, sondern ein grundlegender Kampf um regionalen Einfluss und diplomatisches Vertrauen. Ohne einen glaubwürdigen Rahmen, der die zentralen Sicherheitsanliegen beider Nationen berücksichtigt, steigt das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen und der globalen wirtschaftlichen Instabilität weiter.




















